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Fachbeitrag in der Zeitung „Pferdeland Rheinland-Pfalz“ - Ausgabe 10/10
Bei den Snaffle Bits gibt es gerade
beim Westernreiten eine große
Vielzahl an unterschiedlichen
Gebissen. Neben Farbe, Form,
Material des Mundstücks und
Verzierung sollte aber auch die
unterschiedliche Wirkung bei der
Kaufentscheidung eine Rolle spielen.
Auszugsweise sind hier dargestellt:
erstes von oben:
Billy-Allen-Snaffle-Bit;
viertes von oben: ein Snaffle mit
D-Ringen, die restlichen sechs
Snaffles weisen unterschiedliche
Ringformen, -beweglichkeiten und
–größen auf, manche haben
Kupfereinlagen, manche sind reich
verziert
Ganz selbstverständlich werden im Pferdealltag Kandare, gebisslose Zäumungen, Hilfszügel und Sporen verwendet, aber kaum jemand weiß etwas über ihre genaue Wirkungsweise und den eigentlichen sinnvollen Gebrauch. Diese neue Themenreihe soll ein wenig mehr Licht ins Dunkel der sehr komplexen Angebotswelt von Gebissen, Hilfszügel und Co. bringen. Um es vorweg zu nehmen: Dieses Thema ist im Prinzip so vielschichtig, dass man ganze Bücher darüber schreiben könnte, möchte man alle im Handel angebotenen Gebisse und Zäumungen besprechen. Daher werden hier die grundlegenden Basics aus der Freizeitreiterei und dem Westernreitern erklärt und vorgestellt. Alle Gebisse sind bei entsprechendem Ausbildungsstand von Pferd und Reiter für den Otto-Normal-Verbraucher zu benutzen, exotische Zäumungen werden hier nicht besprochen und gehören wenn überhaupt nur in absolute Profihände. Parallelen zum anderen Reitweisen werden – wenn möglich – gezogen, da sich alle Pferde, egal ob Springer, Gangpferd oder Dressurcrack anatomisch gleich verhalten und die Wirkung auf das Tier von miteinander verwandten Gebissen gleich ist.
Grundlegende Ansprüche an die Ausrüstung
Egal welches Gebiss man bevorzugt, man sollte stets im Sinne des Tieres auf eine sehr gute Qualität achten. Nur solide verarbeitete Gebisse weisen keine scharfen Kanten auf, die Legierung hält das, was sie augenscheinlich verspricht und das Gebiss liegt gleichmäßig und satt im Maul. Billigwaren können sich komplett anders verhalten als angedacht. Sind sie von billigem (= leichtem) Material, liegen sie oft unruhig, können teilweise sogar auf beiden Seiten unterschiedlich schwer sein, was das Pferd zusätzlich im Maul verwirrt. Heutzutage sind fast alle Gebisse leicht gebogen und der Anatomie des Pferdemauls nachempfunden, was den Nussknackereffekt (extremer Druck bei Zügelanzug gegen den Gaumen, Quetschung von Zunge und Kiefer, verursacht Schmerzen) deutlich verringert.
Generelles zu Gebissen
Oft hört man ein alt bekanntes Vorurteil, das ein Snaffle Bit (Wassertrense) „weicher“ ist als ein Bit (Kandare). Grundsätzlich kann man sagen, dass die Einwirkungsweise von jedem Gebiss „anders“ ist und deshalb nicht automatisch als „schärfer“ eingestuft werden sollte. Alle Gebisse reagieren nach den physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Mechanik. Erst wenn man das System der Wirkweisen verstanden hat, kann man Gebisse sinnvoll einsetzen. Zudem sollte eine einfach gebrochene Wassertrense nicht als Allheilmittel für jedes Reitpferd verstanden werden. Grade sauer gerittene Pferde kommen mit ganz anders wirkenden Gebissen oft besser klar.
Kupfereinlagen, „Sweet Iron“-Varianten oder Rollen veranlassen das Pferd zum Kauen, Einspeicheln und Spielen mit dem Gebiss. Durch die Rollen ist das Pferd beschäftigt und wird etwas ruhiger, hört dem Reiter besser zu und konzentriert sich besser auf die geforderten Lektionen. Außerdem beißt es sich nicht auf dem Gebiss fest. Zu viel Spielen mit dem Gebiss ist aber auch nicht gut, dadurch wird das Pferd zu sehr abgelenkt und unkonzentriert.
Gummigebisse sollten nur bei sehr gut einspeichelnden Pferden benutzt werden, da sie bei wenig Speichelfluss auf einer trockenen Zunge unangenehm reiben können.
Die weit verbreiteten Zügelsnaps, die zwischen Gebiss und Lederzügel eingeschnallt werden, sind auf der einen Seite praktisch im Alttag, wirken aber aufs Pferd oft störend. Als wackeliges Bindeglied zwischen Metallring und Lederzügel irritieren sie das Pferdemaul, sie klappern gegen die Gebissringe, das Gebiss wird unruhiger und die Snaps können so die Zügelhilfen verfälschen bzw. schwammig machen.
Übersicht zu den verschiedenen Teilen eines Bits.
Allgemeine Verwendung von Gebissen
Ein Gebiss sollte immer aus dem Impuls heraus verwendet werden. Hält man sich nämlich am Gebiss fest oder zerrt permanent daran, zieht das Pferd dagegen und macht sich im Hals fest. Zügel sind keine Haltegriffe! Denn gibt man seinem Pferd keine Stütze, auf die es sich lehnen kann, wird es diese auch nicht nutzen können, um sich aufs Gebiss zu legen. Oft ist das Pferd nämlich nicht, wie vom Reiter vermutet, hart im Maul, sondern die Reiterhand ist zu starr und fest. Ständiger Druck erzeugt dann den bekannten Gegendruck.
Es ist auch nicht verkehrt, das Gebiss je nach Übung in verschiedenen Handpositionen zu benutzen. Das Pferd gewöhnt sich sonst auf den immer gleich ankommenden Druck im Pferdemaul (gleicher Winkel) und stumpft ab. Es ist deshalb sinnvoll, die Hände ab und an höher oder weiter auseinander zu nehmen, da das Pferd dann in der Regel weicher reagiert und nachgibt.
Im Fachhandel gibt es
unterschiedliche Arten von Bits.
Neben dem Material spielt auch
die Form des Mundstücks und der
shanks eine Rolle. Optisch
schlichte Bits sind eher für den
Trainingsalltag, reich verzierte
Bits werden gerne für ein Turnier
genommen. Von oben nach unten sind
hier auszugsweise dargestellt:
Snaffle with Shanks,
Bit mit Medium-Port,
Billy-Allen-Bit,
Bit mit High-Port und Kupferrolle.
Wirkungsweise des Snaffle Bit
Das Snaffle drückt bei Zügelanzug auf die Laden und die Zunge des Pferdemauls (= ein Druckpunkt). Die Größe der Ringe bestimmt dabei den Spielraum der Einwirkungsmöglichkeit. Kleine Ringe lassen weniger Spielraum bei der Zügeleinwirkung zu als große, sie wirken viel direkter und kompromissloser, da die Strecke (Metallring) auf denen der Zügel gleitet deutlich kürzer ist. Große Gebissringe bilden einen größeren Bogen aus, bei Zügelanzug wird der Abstand zwischen Gebiss und Backenstück kürzer, durch die Lageveränderung im Maul bekommt man so einen anderen Druckpunkt auf die Laden.
Eine Sonderform des Snaffles ist die D-Ring-Trense. Durch die starr verbundenen D-Ringe bekommt man einen kleinen Hebeleffekt auf das Gebiss, zudem liegen die D-Ringe mehr an der Seite des Mauls an, sodass ich bei Zügelanzug mehr Druck auf die Pferdewange ausübe. Eine solche Hebelwirkung haben auch eine 3-Loch-Trense und andere Gebisse mit kleinen Anzügen.
Aber nicht nur die Ringe beeinflussen die Wirkweise, auch die Dicke des Gebisses spielt eine Rolle. Dickere Snaffles wirken weniger punktuell und unpräziser als dünnere Gebisse, man könnte sagen, sie sind weniger „scharf“, weil sich der Druck auf eine größere Fläche im Pferdemaul verteilt. Diese große Druckfläche im Maul bietet dem Pferd aber auch mehr Angriffsfläche, um sich auf das Gebiss zu lehnen, der Reiter muss automatisch im Vergleich zu einem dünneren Gebiss mehr aufs Pferd einwirken, ob das dann im Prinzip für das Pferd „weicher“ erscheint, darf bezweifelt werden. Zudem sind übermäßig dicke Gebisse deutlich unangenehmer für das Pferd, da im Pferdemaul verhältnismäßig wenig Platz für ein Gebiss ist, gerade bei den immer feiner gezüchteten Köpfen mit kleinen Mäulern.
Das doppelt gebrochene Gebiss verringert, neben der bereits oben angesprochenen anatomischen Form, den Nussknackereffekt. Durch das Mittelstück wird keine Spitze im Maul bei Zügelzug erzeugt. Allerdings liegt das doppelt gebrochene Gebiss relativ wackelig und auch unruhiger als das einfach gebrochene und lässt nur schwer korrekte Signale zu.
Extrem empfindliche Pferde nehmen das Billy Allen Snaffle Bit gerne an. Durch das kaum bewegliche Mittelstück kann das Gebiss nicht einknicken, es ist zwar seitlich beweglich, aber kaum nach oben / unten. Das Gebiss wirkt dadurch mehr auf der Zunge und nicht auf die Laden.
Wirkungsweise des Bits
Das Bit ist nur für fortgeschrittene Reiter und Pferde geeignet. Unter einem Bit versteht man eine Kandare ohne Unterlegtrense. Dieses Gebiss ist weder brutal noch „scharf“, sondern wirkt einfach nur „anders“ auf den Pferdekopf ein, als ein Snaffle, nicht auf einen Druckpunkt (Pferdemaul) , sondern auf drei unterschiedliche Punkte am Pferdekopf.
Druckpunkt Eins sind Zunge und Laden des Pferdes. Je höher der Bogen des Mundstücks (Port), desto mehr Zungenfreiheit hat das Gebiss und desto stärker wirkt es auf die Laden. Je flacher der Bogen, desto stärker verteilt sich der Druck auf Zunge und Laden. Der zweite Druckpunkt ist das Kinn. Über die Kinnkette wird bei Zügelzug Druck sowohl auf das Maul (Laden und Zunge) als auch auf das Kinn ausgeübt. Über die Weite der Kinnkette kann man den Druckpunkt auf Lade/Zunge oder Kinn verstärken oder verringern. Ist die Kette relativ eng verschnallt, wird vermehrt Druck auf Zunge/Laden ausgeübt. Ist die Kette relativ weit verschnallt, wird der Druck auf Zunge/Lade, Kinn und das Genick (dritter Druckpunkt) verteilt. Das Genick spielt eine ganz entscheidende Rolle bei der Verwendung einer Kandare. Denn nur wenn das Pferd gelernt hat im Genick auf Druck den reiterlichen Hilfen nachzugeben, ist es bereit für die Kandare. Eine Voraussetzung dafür ist stets die korrekte Grundausbildung auf Snaffle. Man sollte niemals ein „schärferes“ Gebiss ins Maul einschnallen, weil man Probleme bei der Temporegulierung hat. Im schlimmsten Fall reagiert das Pferd auf den Zügeldruck über, wird panisch, erschreckt schneller und geht vielleicht sogar durch, weil es den Druck nicht einordnen kann.
Generell gilt bei der Kandare: Je beweglicher diese in sich ist, so wie bei einem Snaffle with Shanks (gebrochenes Gebiss mit beweglichen Anzügen), desto stärker wird die ursprüngliche Kandarenwirkung verfälscht. Die Shanks spielen auch bei der Hebelwirkung eine wichtige Rolle. Je länger die Anzüge sind, desto mehr Hebelkraft kommt am Drehpunkt (dem Mundstück) an. Das bedeutet, dass ich mit relativ wenig Rückwärtsbewegung am Zügel größeren Druck auf die drei Druckpunkte Zunge/Laden, Kinn und Genick ausübe, als bei einem Gebiss mit kürzeren Shanks. Aber nicht nur die Länge der Shanks ist ausschlaggebend, sondern auch das Verhältnis zwischen Shank (Unterbaum) und Purchase (Oberbaum). Die Länge des Purchase bestimmt den Druck auf das Genick. Die Länge des Shanks hingegen bestimmt den Druck auf die Zunge/Laden. Je größer das Verhältnis zwischen Shank und Purchase, desto stärker wirkt das Gebiss auf die Kinnkette und das Genick. Nähert sich das Verhältnis der Beiden an, desto stärker wirkt das Bit auf Laden und Zunge.
Die Form der Shanks spielt bei der Einwirkung ebenfalls eine große Rolle. Denn je gebogener die Shanks sind, desto verzögerter und weicher ist der Reaktionsmoment vom Gebiss, der Druck kommt verspäteter am Pferdekopf an. Grob ausgedrückt reagieren gerade Anzüge direkter und aggressiver.
Das Verhältnis von shank (Unterbaum) und purchase (Oberbaum) spielt bei der Wirkungsweise eines Bits eine große Rolle. Auch Länge und Form von shank und purchase beeinflussen die Wirkung.
Generell sollte darauf geachtet werden, dass die Shanks beweglich mit dem Mundstück verbunden sind. Sind Mundstück und Anzüge aus einem Guss, kann sich das Gebiss bei gelegentlich nötiger, zweihändiger Zügelführung im Pferdemaul verkannten.
Diese verschiedenen Parameter ermöglichen einen extrem großen Spielraum beim jeweiligen Bit, sowohl in der Wirkungsweise der unterschiedlichen Gebisse, im Vergleich zu einem Snaffle, als auch der diversen im Handel erhältlichen Bits untereinander. Jede Art von Bit übt unterschiedlichen Druck auf die drei Druckpunkte aus und beeinflusst so die Druckintensität am Pferdekopf, das Gebiss wirkt dadurch je nach Verschnallung und Einstellung „schärfer“ oder „milder“.
Welches Gebiss für mein Pferd?
Grundsätzlich sollte man bei allen Gebissfragen einen Profi zu Rate ziehen, wenn man sich nicht sicher ist. In der Regel kann ein Trainer sehr gut beurteilen, wie genau das Gebiss wirkt und welche Art der Verschnallung sinnvoll ist. Bei einem Snaffle ist der Spielraum hier deutlich geringer, als bei einem Bit. Zudem hat ein Trainer einige verschiedene Gebisse vor Ort, sodass man auch einmal Probereiten kann und schaut, wie das Pferd reagiert und ob es das Gebiss gut annimmt. In erster Linie muss das Gebiss dem Pferd passen, es muss willig darauf reagieren und das Gebiss akzeptieren. Aber auch der Reiter muss mit dem Gebiss klar kommen und es als angenehm empfinden. Nicht jedem Reiter liegt jedes Gebiss. Gibt man zwei unterschiedlich von der Hand her reitenden Personen ein und dasselbe Pferd, so wird das Pferd bei beiden Reitern trotz desselben Gebisses unterschiedlich gut nachgeben. Der eine Reiter hat zum Beispiel eine eher hektische Hand (nicht im Sinne von unruhig!), er setzt seine Hände sehr flott ein, die Reaktionszeit ist kurz. Der andere Reiter hat eine eher langsame Hand, wo der Zügeldruck extrem verzögert am Pferdekopf ankommt. Jemand mit hektischer Hand sollte daher eher ein Bit aussuchen, welches den Druck zeitlich verzögert weiter gibt, eine langsamere Hand kann ein direkter wirkendes Gebiss vorziehen. Der persönliche Geschmack sollte stets hinten anstehen, dem Pferd ist es egal, ob man ein aufwändig verziertes, ein zurzeit als modern geltendes oder ein sehr schlichtes Gebiss wählt. Hauptsache es passt!
Alles eine Frage der Einstellung
Auch die Grundeinstellung des Gebisses sollte ab und an überdacht / geändert werden. So wird das Pferd bereits bei einem Snaffle anders reagieren, wenn man das Kopfstück ein Loch kürzer / länger schnallt. Denn auch dadurch verändert sich der Druckpunkt im Maul. Man sollte ein wenig experimentieren, bis man die perfekte Einstellung von Gebiss und Zaumzeug gefunden hat.
Die Kinnkette am Bit sollte in der Regel so verschnallt werden, dass sie erst bei Zügelanzug ab einem Winkel von 45 ° wirkt.
Aber auch im späteren Trainingsalltag sollte man immer mal wieder das Gebiss kürzer oder länger einschnallen, einfach, um dem Pferd nicht immer den gleichen Druckpunkt im Maul zu geben (Vermeidung von Abstumpfung).
Generell gilt zur Verschnallung: bei einem Snaffle sollte eine leichte Falte im Maulwinkel zu sehen sein, manche Pferde mögen es niedriger oder höher verschnallt, es sollte aber niemals an die Zähne stoßen. Beim Bit darf keine Falte zu sehen sein, es muss locker im Pferdemaul liegen. Bei beiden Gebissen sollten links und rechts nicht mehr als 0,5 cm das Mundstück heraus schauen, es sollte aber auch nicht zu eng sein und die Maulwinkelfalten einklemmen.
Gebisse als Korrekturwerkzeuge?
In der Regel reitet man ein Pferd mit Bit seit jeher einhändig, denn die Cowboys brauchten ebenso wie die Kavallerie eine freie Hand für das Lasso bzw. den Säbel. Das Ziel der Ausbildung auf Bit – nämlich die Einhändigkeit – sollte beim Training auch nie aus den Augen verloren werden. Das Pferd sollte sich via Neckreining über den äußeren Zügel lenken lassen, damit es einhändig geritten werden kann. Zu Korrekturzwecken kann man die zweite Hand dazu nehmen und mit der inneren Hand bei der Stellung / Biegung / Lenkung kurzfristig nachhelfen.
Auf Snaffle sauer gerittene Pferde werden oft auf Bit umgestellt, um sie zu korrigieren. Der Druck von Zunge und Lade wird durch das Bit deutlich aus dem Maul genommen und mehr auf Kinn und Genick verteilt. Die Pferde reagieren meist auf den Druck von der Kinnkette viel angenehmer als auf den Ladendruck beim Snaffle und lernen wieder ein Gebiss zu akzeptieren und dem Zügeldruck nachzugeben. Solche Schritte sollte aber stets ein erfahrener Trainer gehen, der sich mit der Wirkweise des Gebisses auskennt. Dasselbe gilt für Twisted Wires, einige Corretion Bits und sonstige „Gebissexoten“ aus dem Fachhandel.
Scharf – schärfer – am schärfsten
Die beiden Begriffe „schärfer“ und „milder“ sind in dieser Themenreihe in Anführungsstrichen gedruckt, denn man kann nicht pauschal sagen, dass die Wassertrense „mild“ ist und die Kandare „scharf“. Führt man sich das Ziel einer Kandarenausbildung noch einmal vor Augen, so darf man einen wichtigen Punkt nicht vergessen: Pferde, die reell auf Bit oder Kandare ausgebildet sind, reagieren so fein auf Gewicht, Sitz und Schenkel, dass ein Ziehen und Zerren an den Zügeln absolut überflüssig wird. Ein gut an den Hilfen stehendes Pferd wird fast komplett unabhängig vom Gebiss geritten, man kann es mit zwei Fingern lenken und ans Gebiss heran reiten. Ob nun eine so benutzte Kandare „schärfer“ wirkt, als eine deutlich häufiger und kräftiger angezogene Wassertrense, mag jeder selbst entscheiden. Denn auch wenn der Spruch abgedroschen klingt, er entspricht absolut der Wahrheit: „Ein Gebiss ist immer nur so scharf, wie die Hand des Reiters“.
In der nächsten Ausgabe lesen Sie wie gebisslose Zäumungen auf den Pferdekopf wirken.
Text: Claus Theurer
Fotos:
Roberto Robaldo
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